Rückkehr zum Ursprung …

Oder, anders gesagt, das Nachhausekommen. Für manche von uns „Alten” ist es ein natürlicher Prozess, über den man nicht extra sprechen muss. Dennoch tragen viele von uns die Hoffnung, eines Tages zum Ursprung zurückzukehren.

Jenen Ort, den wir in unserer Seele festgeschrieben haben. So wie Lachse zu ihrem Ursprung zurückkehren, unterliegen auch wir Menschen demselben inneren Bedürfnis. Nach allen Reisen des Lebens sehnen wir uns nach der Quelle.

Natürlich ist es für die Jüngeren unter uns, die gerade Flügel bekommen haben und die Welt entdecken wollen und müssen, zunächst wichtig, von dort – ganz gleich, wo dieses Dort ist – wegzukommen. Wenn man ihnen als Elternteil, ganz gleich wie schmerzhaft es ist, die Freiheit gibt, ist das Letzte, was man von ihnen hört oder liest: „Mach's gut ...”

Aber zurück zu uns Lebenserfahrenen, den Alten und denjenigen, die trotz ihres hohen Alters jung geblieben sind, zumindest im Geiste: Fragt euch selbst, was in euch geschieht nach vielen Jahren des Wanderns durchs Leben, nach dem Besteigen vieler Berge und dem Durchwandern tiefer Täler. Was bleibt, wenn der Zenit des Lebens erreicht ist?

Was gibt es noch zu erobern, zu erkämpfen oder gar im Wettkampf zu erlangen, wenn alle Tage des Heldentums vergangen sind und man erkannt hat, dass jeglicher Kampf, jeglicher Wettbewerb und jegliche Eroberung nicht mehr wichtig sind? Wenn man erkennt, dass die Zeit für große Taten vorbei ist. Was findet man in dem, wo das Leben zu dir selbst sagt: „Mach mal langsam …”

Viele von uns wenden sich dem Ursprung zu. Manche versuchen, sich neu aufzudrehen, trimmen sich auf jung und suchen die Gesellschaft von jungen Personen, ohne zu erkennen, wie lächerlich das ist. Jeder Zeit sein Alter, und nichts ist schöner, als in seinem angekommen zu sein und es in vollen Zügen zu leben.

Als ich jung war, wollte ich zu den Älteren gehören. Ich suchte mir auch viele ältere Frauen für Beziehungen. Sie liebten mich und ich liebte sie, aber ich erkannte nicht, was ich dabei verlor: meine Jugend. Einen Altersausgleich mit gleichaltrigen Frauen fand ich erst mit 35. Erst da erkannte ich die damit einhergehenden Vorzüge. Gleiches Denken, gleiches Fühlen, gleiche Sprache, gleiche Ziele, gleiche Freude und gleichen Humor. Und auch wenn nicht alles gleich war – zum Glück –, so war es dennoch eine wundervolle Erfahrung, die uns beide reifer werden ließ.

Den jungen von uns kann ich das nicht erklären, das will ich auch nicht. Den Älteren muss ich es nicht erklären, denn sie wissen es. Aber jeder von uns Gereiften hat in seinem Leben eine Vorstellung davon, was Heimkommen bedeutet oder wie es aussieht.

Abschließend möchte ich euch meine Version erzählen: Als ich jung war, sah ich, dass alle Wege überall hinführen. Ich bin sie alle gegangen. Heute erkenne ich, dass sie nirgendwohin führen. Im Laufe meines Lebens habe ich verstanden, dass alle Wege nirgendwohin führen, nur der eine ist der Weg mit Herz. Und auch wenn dieser Weg nirgendwo hinführt, ist er dennoch wert, ihn bis zum Ende zu gehen.

Da alle Wege letztendlich nirgendwo hinführen, stellt sich die Frage: Was ist im Leben wirklich wichtig?

 Wien am 13.02.2026

Das Alter …

Natürlich spüren es nicht diejenigen, die Richtung 25 gehen, und auch weniger diejenigen, die Richtung 30, 40, 50 oder gar 55 gehen. Altern ist heute kein Prozess des Altwerdens, sondern vielmehr des Reifens. Wenn wir es medizinisch betrachten, so ist im Altern ein Code verankert, der das Verjüngen mehr im Vordergrund hält als das Dahinsiechen und Altern bestimmt.

Ein kleines Beispiel: Ich bin heute mit 65 Jahren um 5:30 Uhr aufgestanden und ins Bad gegangen. Meine ersten Übungen bestanden darin, Liegestütze zu machen. Seit Jahren verfolge ich das Ziel, nie unter 20 Liegestütze zu kommen. Heute waren es 40 Liegestütze, und ich fühlte mich jünger, stärker und kraftvoller als mit vierzig Jahren.

Natürlich geht man davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, die 90 zu erreichen, bei einer solchen Fitness recht hoch ist. Wenn man mit 70 noch 30 Liegestütze schafft, ist es ein Leichtes, die 90 zu erreichen. Gut, das ist die eine Sache, aber was ist mit dem Leben an sich? Wozu zählen die Jahre, wenn das Leben an einem vorübergeht, als gehörte es jemand anderem?

Ich habe die 60er Jahre erlebt, die erste Mondlandung und alle weiteren Jahre bis zur Jahrtausendwende, gepaart mit den Höhen und Tiefen, die das Leben sonst so bereithält. Eine alte Freundin von mir sagte immer: „Jammern hilft nichts.“ Und sie hatte recht. Ich brauchte viele Jahre, um das zu verstehen.

Heute, im Jahr 2026, gebe ich mir selbst die Hand zum Gruß und auch zum Vergnügen, weil ich die Rente erlebe und alle Vorzüge, die damit einhergehen. Der Staat sichert mir die Finanzierung meines Alters bis zu meinem Lebensende.

Allen, die noch viele Jahre bis zur Rente vor sich haben, sei gesagt: Bleibt in der Berufsausübung. Arbeitet fleißig und sorgt dafür, tatsächliche Beitragszeiten zu erreichen. Denn nur so könnt ihr eure Renten erhöhen oder sichern. Jegliche Prognose einer fondsgebundenen Absicherung oder von Sparmaßnahmen hat nichts gebracht, egal, wie intensiv man daran geglaubt oder letztendlich investiert hat – es ist ein Irrweg. Das einzige Pensionssystem, das lebenslange Renten garantiert, ist unser Sozialsystem.

Wenn man, so wie ich, 65 wird und die eigenen Kinder einem ein Geburtstagsgeschenk machen und eine Karte dazu schreiben, in der sie das, was sie in ihrem Leben erlebt haben, aus ihrer Sicht formulieren, dann weißt du: Du hattest ein gutes Leben und wirst ein weiteres gutes Leben haben … Ganz gleich, wie lange es noch dauert.

 Wien am 18.12.2025

Wenn die Liebe stirbt, dann fehlt sie – immer nur in einem...

Die Trauer, die dann folgt, ist nicht leicht. Wenn du durch die Gassen gehst, in denen gefeiert und gesungen wird, in denen Liebe entsteht und in Augenblicken wieder vergeht, spürst du die Schwere in deinem Herzen. Du begegnest ihr nur durch Selbstaufgabe, ohne zu erahnen, ob es Wege gibt, die dich aus diesem tiefen Tal herausführen können. Jeder Versuch, sie zu finden, jeder Wunsch, die Liebe im anderen zu halten und sie nicht zu verlieren, scheitert.

Ich zähle die Schritte in der Hoffnung, etwas Neues zu finden, doch es sind Schritte des Verlustes, die nach mir schreien und meine Nacht zum Tag werden lassen. Schritte voller schmerzhafter Erinnerungen, Schritte wie Berge, die immer höher werden. Die einzige Begegnung ist die Trauer, die dich am halben Weg umarmt und ein Stück begleitet, sagt sie, als wäre sie ein alter Freund, der dir Liebe vorgaukelt, dir kalte Wärme gibt, die dich nicht wärmt, aber auch nur, weil der andere fehlt …

Nun bin ich genau da, wo ich bin. Süchtig wie ein Bettler der Liebe. Ich nähre mich noch immer mit derselben Verwirrtheit, versuche etwas sehr Flüchtiges, das nicht mehr ist, zu verstehen – und scheitere.

Wie soll ich euch das nur erklären? Wenn die Liebe stirbt, dann fehlt sie immer in einem von zweien - und der andere lebt weiter. Aber auch das ist schwer zu verstehen, der niemals innig geliebt hat …

Und so schreite ich weiter, kitte die Wunden und tue so, als wäre wieder alles in Ordnung, wohlwissend, dass sie nie wieder zurückkehren wird – mit ihr auch die Sonne und die Freude, die mein Leben gewärmt hatten. Merkt euch eines: Wenn sie dir einmal das Herz brechen, dann glaubst du niemanden mehr. Und wenn eine Liebe von zwei stirbt, dann sterben immer auch zwei...

Wien 20 11 2025

Ich und meine Badewanne …

Wenn ich bade, sind wir eins. Wenn ich arbeiten gehe, sind wir entzweit. Aber sie wartet brav im Badezimmer auf mich. Wenn ich wieder die Haustür öffne, schaukelt sie schon voller Freude, mich zu sehen. Bereits im Vorzimmer höre ich, wie sie ruckelt und die Therme anheizt, um uns ein vergnügliches Badewasser vorzubereiten. Ich suche immer ihre Nähe, weil sie mir etwas gibt, das mir niemand sonst geben kann.

Meine Badewanne heißt Laura – nicht wirklich, aber ich habe ihr diesen Namen gegeben. Sie erinnert mich an eine Laura aus meiner Vergangenheit. Sie hatte auch so eine glatte Haut. Wenn wir uns aneinanderschmiegten, dann bog sich unser Rücken ganz angenehm ineinander. Also eigentlich mein Rücken in ihrem. Und sie war auch so angenehm warm wie Laura. Besonders, wenn wir Badeschaum verwendeten, war es, als könnte ich die Welt da draußen für immer vergessen.

Meine Badewannen-Laura sorgte dafür, dass ich mich absolut entspannen konnte. Sie verstand es, mich auf der Wasseroberfläche schweben zu lassen, als würde mein Körper in der Schwerelosigkeit den Himmel berühren. Laura erlaubte mir auch, bestimmte Kräuter ins Wasser zu streuen, die bei jedem Atemzug meine Atemwege freimachten und mir die Lungenkapazität zurückgaben, die ich seit meiner Jugend besaß.

Wenn ich stundenlang im warmen Wasser liege und träume, weiß ich dann nicht mehr so genau, ob ich Laura oder die Badewanne sehe. Dann träume ich von Laura, von schönen Zeiten und von zukünftigen Ereignissen, die ich mir herbeiwünsche. Meine Badewanne unterstützt mich bei diesen Imaginationen. Sie sorgt dafür, dass es mir gut geht, und jede meiner Bewegungen, sei es mit den Händen oder den Beinen, ist spielerisch mit dem Wasser verbunden.

Nur nachts, wenn ich im Bett liege, höre ich meine Badewanne, wie sie nach mir ruft – oder ist es Laura? Ich weiß es nicht mehr so genau. Laura, die ich sehr liebte, hörte vor fünf Jahren auf zu atmen. Zu der Zeit schlief ich im Bett und hörte sie nicht. Ich weiß auch nicht, ob sie meinen Namen rief oder überhaupt etwas von sich gab. Die Ärzte meinten, dass sie Wasser in die Lunge bekommen hat. Nicht viel, sagten sie. Es reicht eine Menge von einem Stamperl, wie man bei uns in Wien sagt, damit der Erstickungstod eintritt. Mit so wenig Wasser in der Lunge erstickt oder ertrinkt man – und es gibt keine Rettung.

Ich hörte damals nichts, weder als sie ins Bad ging, noch als alles andere geschah. Sie machte es sich in der Badewanne bequem, gab andere Kräuter hinein als ich und nannte sie Lehrerpflanzen , ich nicht. Ich tauschte die Badewanne danach nicht aus. Sie hatte sich mit meiner Laura verbunden und gab mir auf sonderbare Weise ihre Essenz zurück. Deshalb freue ich mich jeden Tag aufs Neue, wieder in diese Badewanne zu steigen, in der Hoffnung, ihre Wärme auf meiner Haut zu spüren, ihre glatte Haut an meine zu fühlen und zu schweben …

Ich, meine Badewanne und Laura ...

Wien am 14.11.2025

Liebe mich...

selbst wenn du weißt, dass diese Welt zu Ende geht. Wenn die Dunkelheit einbricht und es keine Hoffnung mehr auf Licht gibt. Liebe mich, auch wenn du weißt, dass es das Letzte sein wird, das du dieser Welt in einem letzten Akt verschenkst – und damit auch dich selbst. Liebe mich, ohne zu wissen, was der Morgen bringt. Liebe mich, ganz gleich, welcher politische Führer dir alles verspricht. Denn das, was bleibt, selbst wenn es uns morgen nicht mehr gibt, ist die Liebe. Sie ist wie ein Feuer, wie eine Stafette, die von einem zum anderen gereicht wird und die Zeit überdauert.

Schau in den Himmel. Er hat bereits so viel versprochen und so wenig gehalten. Blick in den See oder den Fluss mit seinen tiefen Wassern. Was du dort siehst, ist weder Hoffnung noch Grauen, sondern die gleiche Angst, die dich befällt, wenn du erkennst, dass das Ende naht.

Liebe mich, so wie du noch nie geliebt hast. Schütte dich aus in einem Moment ewiger Gefühle und lass dein Schweigen meine Stille berühren. So, als könnte ich dich nur durch diese verstehen. Liebe mich und vergiss die Welt um dich, denn sie war nie dir so nah wie ich. Spüre mich mit jedem Atemzug, der mich zum Erzittern bringt; mit jedem Kuss, der deine Lippen zum Brennen bringt; mit jeder Berührung, die sich in uns vereint und den ewigen Fluss der Verbundenheit heilt.

Eines Tages werde ich nicht mehr sein, du wirst nicht mehr sein, aber der Fluss, der uns verbunden hat, wird weiterfließen, er wird ewig sein. Und eines Tages, unerwartet und unschuldig, wie ein Atemhauch, werden wir uns wieder begegnen – du in dir, ich in mir.

Guten Morgen, meine Liebe. Berühre mich, spüre mich, höre mich und folge deiner inneren Empfindung. Sie sagt dir, dass die Liebe diese Welt nicht mehr heilen kann, aber sie kann dich und mich heilen. Deshalb liebe mich noch ein letztes Mal.

Wien am 10.11.2025

Die Wächter, der Anderswelt…

Ich erzähle eine Geschichte, wie sie wahrer nicht sein konnte. Es war im Herbst 1994. Ich war in Hannover und hatte meine zweite Mikrofiltertechnik zur Reduzierung des Sondermülls Altöl erfunden und europaweit patentieren lassen. Ich war damals jung und wirtschaftlich unerfahren und hatte einen erfahrenen Mann an meiner Seite, Herrn Blomeier aus Lauenau. Er war 80 Jahre alt, pensionierter Leiter der Hydraulik bei MAN und suchte noch eine Beschäftigung, die er bei mir fand.

Er war eine unheimliche Bereicherung in meinem Wirtschaftsleben, niemand hatte das Wissen und die Erfahrung, die er hatte. Das war damals mein Glück. Unsere Beziehung ging weit über das Geschäftliche hinaus. Ich habe ihn geliebt wie meinen eigenen Vater. Und er sah in mir etwas wie seine Jugend, die er wiedergefunden hatte.

Eines Tages rief mich seine Frau an und sagte, er habe einen Herzinfarkt gehabt und sei gestorben. Als Schamane wollte ich nicht, dass er geht. Ich zelebrierte eine Zeremonie in meinem Haus in Hannover und überschritt die Grenze zur Anderswelt in einem Kraftakt. Ich wollte seiner Seele nachjagen und sie ins Leben zurückholen. Ich wollte ihn nicht gehen lassen, wir konnten uns nicht verabschieden.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit damals vergangen war, aber ich kam an die Grenzen unserer Existenz. Und was ich dort vorfand, war ein Sturm, ein eisiger Wind, der so tobte, dass er unsere Seelen erfrieren ließ. Dort sah ich den Wächter. Jene Erscheinung, die ich nur am Rande meiner Wahrnehmung wahrnahm, die jeden prüfte und entschied, wer das Tor zur Ewigkeit durchschreiten durfte und wer nicht. Ich erkannte Blomeier unter den vielen Geschöpfen und packte ihn.

Im gleichen Augenblick packte mich der Wächter am Arm und zog mich zu sich. In diesem Moment wusste ich, dass entweder Blomeier oder ich durch dieses Portal gehen würden - für immer. Aber da war keine Angst in mir, da war kein Zweifel, nein, da war nichts - nur Handlung, bestimmt von meiner Absicht. Ich drehte mich um, zog Blomberg hinter mir her, sagte ihm, dass ich ihn noch brauche, dass sein Leben noch einen Wert hat, größer als er, größer als ich.

Der Wächter ließ mich los, wir flogen buchstäblich zurück, an Orte, die ich kannte, die mir bekannt vorkamen, bis wir an Orte kamen, die ich kannte - über den Hügeln von Lauenau und seinen Wäldern erreichte ich meinen Steinkreis in meinem Hsus. Dann ließ ich Blomberg los. Er lebte noch zwei Jahre und starb an einem weiteren Herzinfarkt. In diesen zwei Jahren hatten wir viel Zeit zu reden und Abschied zu nehmen.

Viele Jahre später wurde mir bewusst, was ich getan hatte. Eine verstorbene Seele aus dem Totenreich zurückzuholen. Eine Technik, die mir mein Meister Gunar damals beigebracht hatte. Aber das wirklich Entscheidende war dieser Wächter, an dem man zuerst vorbeimusste. Er bewachte das Tor, das es uns Seelen ermöglicht, den Übergang zu schaffen, d.h. im Universum weiter zu reisen und nicht mehr hier wiedergeboren zu werden...

Wien am 20.05.2025

Menschlichkeit...

In jungen Jahren fragte ich mich, ob Menschlichkeit allein genügt. Ich hatte viel vor, kaum Zeit, wollte die Welt ergründen und erobern. Heute, nach einem langen und guten Leben, stellte ich mir nochmals diese Frage. Meine Antwort darauf: – Menschlichkeit ist die einzige adäquate Antwort auf viele Fragen des Lebens – und ja, absolut die Einzige, denn ohne diese, wäre nichts in meinem Leben erreichbar gewesen…

Wien am 19.08.2023

Etwas, über die Liebe…

Zurück zur Liebe. Was ist Liebe? Wie schreibt man Liebe. Kann man dieses Wort noch beschreiben, und dabei die Hoffnung in einem Satz weglassen, dich wiederzusehen, dich zu berühren oder mit einem Kuss, der unsere beiden Lippen verbrennen lässt, dabei nie enden wollend - in die Ewigkeit trägt. Ist es Liebe, wenn eine Berührung uns erzittern lässt. Ist es Liebe, wenn wir kaum einen Augenblick ohne den anderen sein können. Oder ist es Liebe, die uns dermaßen den Atem nimmt, wenn wir uns sehen, wenn wir lächeln, wenn wir uns umarmen, wenn unsere Körper sich berühren oder einfach so – nichts tun zu müssen, dass wir Freude empfinden.

Ist es Liebe, wenn wir diese Wärme spüren, die unseren gesamten Körper einnimmt, ihn wie ein Elixier zum Leben erweckt und für die Ewigkeit in uns bewahrt. Ist es Liebe, wenn in der Begegnung unsere Jugend, wie eine Quelle aus uns entspringt, als hätte sie auf diesen Augenblick schon immer gewartet. Ist es Liebe, wenn wir tief in uns empfinden, uns nie wegen unserer Schönheit begehrt zu haben. Ist es Liebe, wenn das Vertrauen und die Verbundenheit uns alle Kriege überleben, alle Höllen durchschreiten lässt, und nur der Augenblick unserer Wiederumarmung uns alle Hürden des Lebens überwinden und ertragen lässt.

Ist es Liebe, wenn man zu sehr liebt, dass man dann mehr in dem anderen lebt als in sich selbst? Und wenn wir schon dabei sind, endet Liebe bei den Menschen und falls ja, wie erklären wir uns unsere Empfindungen gegenüber Tieren, Pflanzen, Sachen, Städten und Ländern oder gar dem Meer? Liebe ist universell und kennt keine Grenzen. Diese umfassende Liebe, die um uns ist, die in uns ist, die uns und alles, was um uns herum ist, durchströmt – die uns mit allem verbindet – ist die einzige und von Zeit unabhängige Kraft. Wer daran nicht glaubt, wird sich schwertun, seine Empfindungen für Menschen, die schon lange verstorben sind – zu erklären. Die Liebe zu diesen Menschen ist noch immer in uns und sehr präsent. Bedeutet, sie berührt sie, sie verbindet uns mit sie, in weiten fernen Welten, Existenzen und Dimension – frei von Zeit und Raum…

Und Liebe ist keine Sache, die man einfach abgibt, wie ein Möbelstück, welches man nicht mehr braucht. Kein Wort der Welt wurde jemals so leicht ausgesprochen, so leicht verurteilt und entstellt, so leicht vergessen und so leicht verraten. Und dennoch ist die Liebe die einzige Kraft, die diese Welt retten, die Menschen vereinen, die Nationen und Kulturen heilen, kann. Liebe – ganz gleich wie geschrieben, ganz gleich wie ausgesprochen, sie ist es immer wert – erlangt zu werden – für immer…

Wien am 17.04.2023

Tanzen...

Der Tanz – ist die einzige körperliche Beherrschung, die dir, in keinem Augenblick, gestattet, die Bewegung, ohne Leidenschaft auszuführen… Somit ist Tanzen - dem Leben geschuldet…

Wien am 28.10.2022

Familie

Für die einen ein Segen, für die anderen die Hölle! Die einen, die nie eine hatten sehnen sich innig nach ihrer Nähe. Andere wiederum, die eine hatten aber durch diese nur Schmerzen erfahren mussten – wünschen sie zum Teufel. Nähe beinhaltet Freude und Schmerz. Manchmal erwächst genau das eine aus dem anderen und hinterlässt Spuren in uns, die uns zum einen Hoffnung geben und zum anderen jeglichen Anspruch auf Hoffnung, verblassen lassen.

Der alte Spruch „Freunde kannst du dir aussuchen, Familie nicht.“ muss in dieser Zeit, in der wir heute leben neu überdacht werden. Und wenn er dennoch Bestand haben sollte, so verweist er auf eine Tatsache hin, die man nicht gleich erkennt. Aussuchen bedeutet - man hat eine Wahl. Aber wie gesagt, in beiden Fällen- schmerzt diese Wahl oder berührt unser Herz…

Wien 17.03.2022

Wellen des Herzens...

Wellen des Herzens, sie breiten sich wie das Magnetfeld unseres Körpers in allen Richtungen aus. Erreichen dabei feinstofflich, die letzten Ecken dieses Planeten. Wellen, die wir mit unseren Handlungen erzeugen, sind wie Fangnetze - die, die Erntezeit einläuten...

Michel Wien, 19.02.2022

Mysterien

Unsere Suche nach Antworten, der Mysterien dieser Welt – scheitert wie so oft, nur an den Fragen…

Wien 01.02.2020

Über Schriftsteller...

Wenn wir dem Schreiben, in unserem Leben, einen intensiveren Raum geben – entfernen wir uns nicht dabei vom diesem, weil wir etwas in uns berühren, was ähnliche Schatten wirft und gleichfalls dabei Gefahr laufen, das Leben selbst, welches außerhalb unserer Fantasien existiert – zu verlieren? Wie oft haben wir die eine Wirklichkeit aufgegeben und gegen die andere getauscht, um am Ende sagen zu können – das war es wert…

Wien 13.01.2020

Wandel unserer Zeit...

Wir leben in einer Zeit, wo alte Muster und Systeme aufbrechen, als würden sie nicht hierher passen. Demokratie, hat nie eine Entwicklung durchgemacht – sie wurde als politisches Prinzip installiert. Alles nicht Wandlungsfähige verliert sich in der Zeit, so auch dieses wird verschwinden, wenn keine Erneuerung stattfindet.

Die Wandlung lässt noch keine klaren Muster erkennen, wohin die Reise geht. Aber eins ist sicher, die Demokratie hat ausgedient. Wenn Systeme sich verändern, findet meist auch ein Zerfall der Gesellschaft statt. Gefolgt vom Chaos und Anarchie. Diese Wandlung kann auch sehr schnell erfolgen, dazu bedarf es nur wieder eines charismatischen Führers. Nur der steht derzeit nicht zur Verfügung, deshalb ist die gegenständliche Wandlung wie ein Brotteig, der über die Tischkannten drängt. Was sich aus diesem formen wird, kriegen wir im wahrsten Worte, nicht gebacken. 😊 Aber wie nach jedem Chaos, werden wir am Boden und im Staub sitzend uns überlegen – wie wir weitermachen werden.

Ich habe Vertrauen in die Dummheit der Menschen – sie werden sich sicherlich neue Geißelungssysteme einfallen lassen - und das Beste daran, wie immer – zum Wohle der Menschheit…

Wien am 03.10.2019

Wir lächeln…

Unsere Lippen für Freude erschaffen - um Freude bemüht. Aufgesetzt – als müssten sie ein Geheimnis hüten. So, als könnten sie das Tor der Hölle, welche die Brust zerreißt – amüsant verschließen. Du fragtest, was los ist, doch deine Miene, die darauf eine Antwort hätte - beantwortet nichts. Ich kontere mit einer Lüge. Warum nicht, wenn sie uns in diesem Augenblick, so guttut. Lügen befreien, wenn auch nur für einen Wimpernschlag - so wie dein Lächeln.

Wir bedecken den Tag mit Lächeln, verschlucken unsere Sorgen. Dabei, einer Ohnmacht gleich, es nicht zu sehen, dass niemand auf dieses Lächeln wartet. Dennoch lächeln wir, weil es anders nicht geht. Zum Glauben erzogen, dass alles andere - die andern nichts angeht. Wir lächeln mit Lügen, meinen, keiner bemerkt´s. Ohne zu erkennen, dass wir uns dabei nur selbst - anlächeln. Lächeln berührt, sagt man, was ist es, wenn nicht? Nicht nur Lügen, selbst das Lächeln muss gelernt werden. Am besten, du fängst gleich damit an und stellst dich vor dem Spiegel.

Deine Authentizität, fördert ein Lächeln, sanfte frohlockende Biegungen der Haut um deinen Mund. Begnadet zum Erhabenen, und doch leidvoll ausgetrickst, von einem Gesicht, welches nicht spricht. Wir lächeln, wenn man uns auf die eine Backe schlägt. Wir lächeln, selbst wenn man uns dabei fast zu Tode zerdrückt. Wir lächeln, weil der Schmerz – niemanden etwas angeht und wir lächeln, um zu zeigen, wie stark wir sind - auch wenn wir dabei zerbrechen.

Die Welt da draußen, ist voll von Lächeln. Dazu braucht man nicht extra nach Asien zu reisen. An jeder Hausecke begegnet dir fünf Weitere. Aus jeder Zeitschrift, jedem Bildschirm und Smartphone entlockt es uns den Wunsch, es gleichzutun. Zu fühlen, zu spüren, und formt gleichzeitig damit die Falschheit jenes Ausdrucks, der uns entzweit. So als würde die Welt da draußen, nur ein einziges Spiegelbild einfordern – jenes unserer Innenwelt. Aber auch das, wie wir wissen – ist nur eine Lüge - die uns guttut.

Nun, wie wundervoll, mein Lächeln und dein Lächeln, die Welt erstarren lässt – und dabei, die Stille gebärt…

Wien am 23.09.2019

Freier Geist

Bei den Urvölkern Europas galt der Vogel, weil er in den Lüften lebte, als Geist- und Spirit-Bringer. Die Luft wurde dem Mentalbereich zugeordnet da sie so wie unser Geist empfänglich und flüchtig ist. Wenn der Geist frei bleibt, dann kann er sich entfalten und wachsen und seine Grenzen kennt nur noch der unendliche Raum in dem er sich ergießt. Der offene Vogelkäfig symbolisiert für mich diese geistige Freiheit.

Niemals klang Freiheit süßer als aus dem Munde jener, die sie einst in Liedern besungen haben. Jedoch die Sklaverei hat nie aufgehört zu existieren. Sie hat sich nur gewandelt, so wie ihre Lieder die noch immer unser Herz berühren. Die körperliche Sklaverei haben wir noch bitter wahrgenommen, auf die geistige Sklaverei dagegen singen wir heute Loblieder und sogar auf die Sklavenhalter selbst.

In diesem Sinne, ... lasst den Käfig offen!

- Michel Skala -

Wien 18.10.2013

Imagination

Mit seiner Vorstellungskraft schuf das Wesen Mensch eine Welt auf diesem Planeten, die es ihm ermöglichte zu überleben. Alle seine Imaginationen manifestierten sich in unsere Götter, Zivilisationen und Kulturen, Wissenschaft und Technik, Musik und Kunst und letztendlich auch in seinem magischen Wirken auf diese Welt.

Um geistige Freiheit zu erlangen und diese auch dauerhaft zu bewahren, perfektionierte dieses Wesen seine Grundfähigkeit willentlich Bilder im Kopf zu erschaffen. Diese geistige Evolution stagnierte in dem Augenblick, als wir zuließen, dass uns fremde Bilder im Kopf projiziert wurden. Fremde Bilder besitzen zwar eine bewegende Kraft in uns, nur ihr Wirken lässt unsere eigene Vorstellungskraft verkümmern.

Dabei ist die Imagination auch jene Kraft in uns, die dafür Sorge trägt, dass unsere bildlichen Vorstellungen den Weg zur Wirklichkeit finden. Wenn eines Tages unsere letzte Stunde auf diesen Planeten naht, dann ist sie es auch, die uns dem Tode entreißt und auf ein anderes Lichtband der Existenz trägt.

Imagination ist der magische und alles transformierende Teil unserer Existenz. Wenn wir diese Gabe verlieren, verliert unsere Spezies seine Freiheit auf diesen Planeten.

Sowie auch die letzte Freiheit …über den Tod zu bestimmen.

- MIchel Skala -

Wien 08.09.2013